Dienstag, 22. September 2009

Tadaima...

Ich bin zuhause. Irgendwie. Aber genauso wie mir mein Origami-Vögelchen in Tokyo seltsam surreal vorkam habe ich auch hier das Gefühl dass ich nicht wirklich ins System passe. Und so ging es mir schon 5 Minuten nach der Landung.
Nach fast 2 Tagen im öffentlichen Personennah- und Fernverkehr hat sich das (zugegebenermassen etwas einseitige) Bild über mein Volk verfestigt. Und selbstverständlich tut die deutsche Bahn ihr übriges zur nicht gerade zur positiven Grundeinstellung. Aber... Warum meckern die alle? Warum ziehen die per se ne Schnute? Warum wird sich bei Kleinigkeiten lautstark beschwert? Weshalb stellen die den Zugeingang zu bevor alle ausgestiegen sind? Warum wird bei Nichtigkeiten rumdiskutiert? Und warum entschuldigt man sich nicht wenn man jemanden anrempelt?
In der Kleinstadtidylle Erlangens macht der Passant mit Dackel macht den Mountainbiker rund "Ey, hier steht Radfahrer absteigen!! Kannst du nicht lesen?!" Aus dem Gesicht der Bedienung im Café springt mich eine erschreckende Lustlosigkeit an als sie feststellt, dass ich mich etwas nach hinten in den Raum gesetzt habe und sie mein Kännchen jetzt 5 Schritte weiter tragen darf. Willkommen in der Wüste denk ich. War das vorher schon so?
Man denkt dass man weiss was einen erwartet. Und das ist das tückische daran. Denn dann setz ich mich frühmorgens auf die deutsche Kloschüssel und - bbrrrr. Da isser wieder. Der Kulturschock.
Es ist auch nicht so dass in Japan alles Besser ist. Aber im Moment schweb ich im luftleeren Raum. Die Vergangenheit hinter mir, die Zukunft ungewiss, sitz ich in der Gegenwart und mach mir nen Kopf. Ich kanns nicht einordnen ob ich mich freue oder nicht. Ich bin noch nicht angekommen.
Alles fragt mich wie ich mich nun verändert habe. Ich glaube ich bin die einzige Person die das nicht beurteilen kann. Ich war ja die ganze Zeit bei mir. Wird man erwachsener wenn man 10 Monate nichts lesen kann? Bestimmt. Sicherlich.
Es gibt sowieso nur eins: Raus aus dem Schneckenhaus, Augen zu (oder vielleicht noch besser Augen auf) und durch.
Auf in den neuen Lebensabschnitt mit dem Besten aus Sake und Sauerkraut.

Freitag, 4. September 2009

Postkartensonderaktion

Die letzten Tage brechen an. Und wie ihr euch denken könnt hat sich jede Menge Zeug angesammelt. Darunter auch ganz viele wundervolle Postkarten. Deshalb... wer mir irgendwie seine Adresse zukommen lässt (über mail, Kommentar oder wie auch immer...) der bekommt eine wunderschöne Ansichtskarte samt liebevoll erdachtem und tiefgründigem Grußtext.
Angebot solange Vorrat. Teilnahmeberechtigt ist jeder der das hier lesen kann.

Mittwoch, 12. August 2009

Es ist grün, es hat Warzen - ich will es!

Ich weiss nicht wie viele gescheiterte Versuche noch nötig sein werden um mich endgültig davon zu überzeugen dass ich einfach nicht in der Lage bin, japanisches Essen zuzubereiten.
Man muss dazusagen: in Japan gibt es 2 Arten von Essen. Es gibt absolut leckeres Essen, von dem gar nicht so viel aufs Stäbchen passt wie man sich auf einmal in den Mund schieben will. Das nennt man hier oishii. Und dann gibt es noch… gesundes Essen. Man merke: Wenn du einen Japaner fragst: „Wie schmeckt das?“ und er antwortet „Kenko teki desu.“ dann fass es nicht an. So lange will man wirklich nicht leben. Needless to say – Goya gehört zweifelsohne zur Gattung des gesunden Essens. Man muss also nicht zwangsläufig schlecht gekocht haben, damit es ungenießbar schmeckt.
Ich weiß selbst nicht warum ich eine in meinem Lieblingskombini nebenan mitgenommen habe... Naja... ich weiß es schon. Wäre ich nur meiner ersten Eingebung gefolgt...
Aber mit Essen soll man nicht spielen, also habe ich das Gemüse brav kleingeschnitten, den Fruchtkern entfernt und es nebst weiteren willkürlich erworbenen Zutaten in die Pfanne gehauen. Der Tofu ist durch die Hitze und das Rühren natürlich gleich zerbröckelt. Ich nenne das mal frei interpretierte Molekularküche.
Als ich zu guter letzt meine Shiitake auspacke entdecke ich einen Pilz am Pilz. Na prima. Kann man das essen? Und warum können Pilze überhaupt schimmeln? Ist das eine Art Kannibalisierungseffekt? Was mach ich jetzt?
Nach 2 Sekunden Denkpause halte ich mir meine einzige Alternative vor Augen. Goya in Tofubrei. Klingt nicht nach besonders viel Handlungsspielraum. Also habe ich 10 Sekunden später eine multifungtionale Goya in Molekulartofu. Das wiederum klingt nach mindestens 3 Sternen. Ändert aber leider nichts am Geschmack.
Diesmal kanns nun wirklich nicht an mir liegen... Das Essen ist einfach zu gesund.
So nage ich gerade an den eisernen Notreserven (Mama’s Merci Packung - ein Überbleibsel von Weihnachten!) um mir den Abend etwas zu versüßen. Die Verbitterung über die missglückte Mahlzeit steht mir etwas ins Gesicht geschrieben.
Aber was lese ich da in meiner Lieblings-Online-Enzyklopädie?
[...die Pflanze (Goya) enthält antifungal wirksame Stoffe...] Das schreit nach einem Kühlschrankexperiment. Ich lege meine Goya neben die Pilze und lasse Mutter Natur ihr übriges tun. Mal sehen was davon morgen noch da liegt.
Ansonsten – geht’s mir gut. Wurde heute morgen von einem Erdbeben aufgeweckt. Am Sonntag hatten wir auch schon eins. Ich genieße meine letzten Wochen hier in vollen Zügen – vorzugsweise in der Yamanote.

Montag, 22. Juni 2009

The curly times...

Wer wie ich Naturlocken hat der weiß: Es gibt nichts besseres für den vollendeten Engelchenschopf als eine hohe Luftfeuchtigkeit. Und was soll ich sagen... seit Freitag kringelt und kräuselt es sich auf meinem Haupt und zwar ganz gewaltig. Die Regenzeit ist mit kleiner Verspätung angekommen.
Das Wetter variiert von nieselig zu mittleren Wolkenbrüchen. Es ist diesig. Die Aussicht vom Büro reicht im Moment nicht mehr allzu weit, ich habe den Dunst, der über der gesamten Stadt liegt anfangs für Smog gehalten, tatsächlich ist es einfach nur die Luftfeuchtigkeit. Vor die Haustür zu treten erinnert entfernt an einen Besuch im Dampfbad - noch nicht ganz von den Temperaturen her, aber das ist schließlich auch erst der Anfang.
Japan packt Regenschirm und Gummistiefel aus. Bin mal gespannt wie das noch wird.
Aber in gut anderthalb Wochen heisst es erstmal ab durch den Monsun, ans andere Ende der Welt und ein bisschen Heimurlaub machen... Ich freu mich auf euch!

Dienstag, 12. Mai 2009

Long Time no see...

Regen! Endlich! War ja auch Zeit. Endlich mal einen Tag ohne schlechtes Gewissen zuhause bleiben um den Dingen nachzugehen, denen ich wirklich nachgehen muss... Es gibt viel zu tun... Wo anfangen? Das bezieht sich nicht nur auf den Blog... Und wie so oft, wenn ich auf Knopfdruck kreativ sein muss habe ich erstmal ein bisschen aufgeräumt, mein Bett gemacht, mir einen Kaffee gekocht... Sollte nicht mal wieder gefegt werden...?
Mal wieder sind in meiner langen Absenz nicht nur Reissäcke umgefallen am anderen Ende der Welt. Besuch kam, Besuch ging, Kirschen blühten und verblühten, Berge wurden bezwungen, Freundschaften wurden geschlossen. Die Zeit rast. Ich versuch es mal chronologisch...

Ende März kam Holger, mein erster Besuch. 3 Tage verspätet, aber zur wirklich allerbesten Zeit überhaupt. Sakura! Ballermannstimmung im Yoyogi Park! Ich versuche, nachher noch ein paar Fotos online zu stellen um deutlich zu machen wie negativ die Präsenz von 10 Millionen anderen Menschen sich auf die romantische Stimmung eines blühenden Kirschbaums auswirkt. Trotzdem sind Hanami Partys DAS Event überhaupt. Mit zig Gleichgesinnten dicht an dicht auf eine Picknickdecke gedrängt prägt sich der Begriff Nominication (von nomi=trinken, und communication). Daneben gabs natürlich das komplette Kulturprogramm: Karaoke, Tempel satt, interessante Begegnungen mit aggressiven Affen in freier Wildbahn (...mögen im Besonderen Strawberry Cheesecake...), und durchgeknallten Australiern, die im Spidermankostüm ahnungslose Touristen ansprechen um ihnen zu erklären dass sie im Aquarius Werbespot Vitamin E gespielt haben. Ein doch sehr rundes Bild von Japan muss ich sagen...

Nach kurzer Sightseeingpause kam dann Konstantin um sich in einem 3 wöchigen Urlaub intensiv mit Tempeln, Zen Gärten, leckerem Essen, handzahmen Rehen und den Besonderheiten japanischer Innenarchitektur auseinanderzusetzen.
Ich habs auch endlich mal geschafft, Shinkansen zu fahren. Erster Stop unseres 7-tägigen Japan Trips war Hiroshima, was mein zartes Gemüt nachhaltig geprägt hat. Nach einem langen und ergreifenden Nachmittag im Atombombenmuseum haben sich bestimmte Bilder wortwörtlich in meinen Kopf gebrannt, so dass mir noch 2 Wochen später beim Anblick eines brutzelnden Fleischstückes auf dem Yakiniku Grill ein kalter Schauer über den Rücken lief.
Einen Tag später haben wir dann weitaus erfreulichere Begegnungen mit putzigen Rehen und atemberaubender Natur auf Miyajima gemacht und sind abends zu unseren nächsten Zielen Okayama, Himeji und Kyoto und Nara aufgebrochen.
In Nara gabs neben ettlichen Weltkulturerbstätten wieder ein paar gefräßige Geweihträger die mit Spezialkeksen (wahlweise Landkarten, Sandwiches, Rucksäcken....) gefüttert werden wollten. Kawaiii!!
In Kyoto haben wir gleich 2 Tage verbracht. In einer Stadt mit ca. 2.000 Tempeln und sooo leckerem Essen könnte man allerdings genauso problemlos 2 Wochen verbringen... :-)
Nach dieser Woche quasi ununterbrochener Beerbung durch Unesco kamen wir mit einem unermesslichen Erfahrungsschatz wieder in Tokyo an um die letzten Urlaubstage etwas ruhiger angehen zu lassen.
Die interessanteste interkulturelle Begegnung haben wir dann in Shinjuku gemacht wo wir auf einer Parkbank von einer Japanerin angesprochen und 2 Tage später zum Essen zu ihr nach Hause eingeladen wurden. In einem sehr gelungenen Abend durften "Kontinental" und ich dann Maki-Suhsi rollen, Origami Kraniche falten und Natto probieren. Danach wurde das Kalligraphieset ausgepackt und über passende Kanjis für unsere Namen philosophiert. ("Wärst Du lieber Gemüse oder Rechtschaffenheit?") Nach langwierigem Entscheidungsprozess hatten wir dann beide sehr aussagekräftige Namen. Nach dem Motto: "Sophisticated meets simple minded"...
Inspiriert von diesem interkulturellen Austausch gab es am nächsten Morgen ein richtiges "Kontinental Breakfast": Bohnen, Seetang und gebratener Tofu mit Sojasauce - ans Bett. Herrlich.
Mittwochs darauf wurden wir abermals von unserem neuen Freundeskreis eingeladen. Diesmal zum Hippo Family Club, einer Art Sprachschule für bis zu 19 Sprachen, die alle auf intuitive Art und Weise (hören und nachsprechen) erlernt werden sollen. Sprachunterricht ansich sind ja nichts ungewöhnliches. Als wir uns dann aber an den Händen haltend und zu einem koreanischen Kinderlied im Kreis tanzend in einem kleinen Seminarraum in Shinjuku wiederfanden, kam uns das dann doch etwas ähm.. koreanisch vor. Nichtsdestotrotz wurden wir mit einer solchen Herzlichkeit von den Happy Hippos aufgenommen, dass man auch über die etwas unorthodoxen Lehrmethoden hinwegsah.
Mittlerweile hat der Ernst des Lebens mich wieder eingeholt, und gleich werde ich mich an Pikatchu kuscheln, der schon mit seinen ewig roten Bäckchen und einem freudigen Grinsen auf meinem Kopfkissen sitzt und auf mich wartet...

Dienstag, 14. April 2009

Sandstrand, Schlafentzug und schwule Samurais

Ja... ich habe ein schlechtes Gewissen weil ich mich so lange nicht aus der Versenkung gemeldet habe. Und auch jetzt wird das wieder ein sehr kurzer Eintrag, es ist Dienstag morgen, kurz nach 8, gleich muss ich los...
Auf mittlerer Gasflamme blubbert gerade mein Teewasser (Milch für Kaffee ist aus) deshalb gibts gleich ganz traditionell Matcha aus der Müslischüssel.
Das Osterwochenende habe ich Freitag abend mit meiner ersten Mahjong Nacht begonnen. Gegen 6 Uhr morgens konnte ich dann einen Pong vom Kong unterscheiden und erste strategische Züge ins Spielgeschehen mit einfließen lassen.
Am Samstag ....oh mein Tee... lecker... hier weiß man dann auch warum das Grüntee heisst... Ist mit der gelben Brühe von zuhause nicht vergleichbar...also am Samstag jedenfalls haben wir nach der harten und geistig anspruchsvollen Nacht einen sehr ruhigen Tag in Enoshima am Strand verbracht. Sonne, leichte Brise, Meeresrauschen und Lichtschutzfaktor 50 (!) - traumhaft.
Und schliesslich musste ich Kraft tanken für den am Sonntag anstehenden Anstieg auf den Takao-san. Da war ich schonmal. Aber nicht um 5 Uhr in der Früh. Gelockt von der Vorstellung, dass man im Morgengrauen da so schöne Bilder machen kann und dass ich auf dem Gipfel dann ein authentisches Stück Leberkäse in meinen Händen halten würde habe ich es auch tatsächlich vollbracht, mich um 4(!!) unter unmenschlichsten Schlafentzugserscheinungen aus dem Bett zu quälen. Na man muss schon dazusagen dass es keine Schande ist, an Ostern zu derart unchristlichen Zeiten seinen Wecker zu überhören. Wir nennen jetzt auch mal keine Namen. Fleischkäse gabs trotzdem und Menschen machen ein Foto ja nur aussagekräftiger und lebendiger... Super Sonntag also.
Am Abend gabs bei Bier und Potato Wedges dann einen kleinen Exkurs in die japanische Kultur: Samurais sind schwul?! Nach Yoshis sehr anschaulich geschilderter Theorie mussten die Shogune im alten Japan auf die absolute Loyalität ihrer Untergebenen vertrauen können - und niemand verteidigt Haus und Hof eines anderen mit seinem Leben wenn nicht tiefere Gefühle mit im Spiel sind. Untermauert mit Beispielen aus der griechischen Mythologie "Kuck mal, wenn Achilles nix mit dem Patroklos gehabt hätte, meinst der wär dann so ausgeflippt und hätt den Hektor plattgemacht..?" klingt das sehr einleuchtend. Ich bleib mal dran an dem Thema...
So, dann geh ich mal ins Büro. Den Reisebericht von Holgers Aufenthalt muss ich noch nachreichen. Und die Fotos sind auch nicht wirklich aktuell... Chotto matte, ne??

Dienstag, 24. März 2009

Viel Wind um Nichts...

Ein ereignisreiches langes Wochenende liegt hinter mir.
Den Auftakt bildete ein spontaner Musicalbesuch mit einer spontan überschüssigen Freikarte für Wicked am Donnerstagabend. Da gehts um Hexen... und eine war grün. Das ist nicht die Kurzfassung, das ist alles was ich mit bestem Willen und angestrengtester Konzentration nach den 3 Stunden von der Storyline mitbekommen hab. Nichtsdestotrotz sehenswert.
Am Freitag dann schleppe ich Kiki auf die Anime Fair. Sehr bunt - also genau mein Fall. Der Hit: Das Manga-Girl Mousepad mit Gelbrüsten für die komfortable Handballenauflage. Mit einem ganzen Packen Flyer und Fotos von Pikachu und der Maus - ja, DER Maus - unserer deutschen ARD Maus (!) - gehen wir weiter ins Onsen. Mein erstes, aber mit Sicherheit nicht letztes Mal. Nach Aromamassage und Steintortourparcour (ich hab keine Fußreflexzonen, mein ganzer Fuß ist eine einzige Schmerzzone, da können die Steinchen noch so glatt und rund geschliffen sein...) flacken wir uns entspannt in das wohlig warme Wasserbad. Getreu dem Motto: Nur nicht mit dem Heizen geizen...
Das nächste mal darf dann auch der Fischdoktor an meinen Füßen knabbern und fertig ist der perfekte Relaxabend.
Am Samstag haben wir dann einen echten 600er bezwungen! Bei strahlendem Sonnenschein auf den Gipfel des Takao-san, anschliessend bei strahlender Leuchtreklame in den GAP in Shibuya (2 Hosen, reduziert!) Die perfekte Symbiose aus Berg- und Shoppingtour....
Und weils so schön war (also das Bergsteigen...) wollten wir am Sonntag gleich nochmal.

Auf gings nach Yokohama, und von dort erstmal mit der Fähre nach Chiba. Schon vor dem Ablegen erklärt uns die Dame am Schalter dort wortreich daß wir zunächst mal kein Return Ticket kaufen sollten, da wegen starkem Wind noch nicht genau feststünde, ob die Fähre nachmittags auch wieder zurückfährt... Abgeschreckt hat uns das selbstverständlich nicht. Der tatsächlich hohe Seegang hat uns dann allerdings sehr schnell davon überzeugt, beim Rückweg auf alternative Verkehrsmittel umzusteigen. Nach dem Anlegen waren wir sogar so froh über festen Boden unter den Füßen dass wir nichtmal freiwillig in die Gondel in Richtung Berggipfel gestiegen wären. Generell habe ich von dieser Seilbahn nur viel Seil aber herzlich wenig Bahn gesehen - wohl auch aufgrund des Windes, der uns in der Tat ziemlich stark um die Nase geblasen hat. Und zu Fuß? Bei dem Wetter nicht wirklich. Bevor es einen über die Klippen weht... Plan B: ein kleiner Abstecher zum Ikea und dann schnell zurück nach Tokyo.
Gesagt, getan, und so stehen wir nach gefühlten 20 Minuten Aufenthalt wieder am Bahnhof.
Auf halber Strecke in irgendeiner schranzigen Bimmelbahn (es lag tatsächlich Müll auf dem Boden!!) geht es plötzlich nicht mehr weiter. Wir sitzen zusammen mit dem Müll auf dem Bahnhof von irgendeinem Kaff fest. Auf den Bahnsteiganzeigen flackern munter knallrote Kanjis (und NUR Kanjis) über die Bildfläche. Nur die Uhrzeit können wir lesen... War 15:14 denn nicht schon vor einer halben Stunde? Irgendwann nimmt sich Jeanny ein Herz, packt ihr ganzes Japanisch aus und frägt einen anderen Passagier. "Wegen dem starken Wind können die Züge nicht losfahren..."
Irgendwann gegen 18 Uhr und nach einem kompletten Tag im japanischen Nahverkehr sitze ich dann wieder leicht entnervt in meiner warmen kuscheligen Wohnung.
Und jetzt muss sogar mein kleiner Bruder noch unter den japanischen Wetterbedingungen leiden... Eigentlich sollte er heute für einen 10-tägigen Urlaub hier ankommen, aber in Narita ist pünktlich am Montag morgen eine Transportmaschine in die Landebahn gecrasht (kein Witz: wegen dem starken Wind). Bleibt zu hoffen, dass bis Freitag (wenn der Ersatzflug landet) wenigstens die Sonne wieder scheint. Bis dahin heisst es Abwarten... Die Ruhe vor dem Sturm sozusagen...

Donnerstag, 5. März 2009

Copy and Paste

Japanische Kochpremiere bei Lamms...
Man nehme: einen Packen Misopaste, einen Klops Tofu, Sushi-Seetangblätter, und ein paar Lauchröllchen, schneide letztere 3 Zutaten in mundgerechte Stücke, vermenge alles in einer Schüssel, übergieße es mit siedendem Wasser. Umrühren - fertig.
Klingt einfach, ist einfach, sieht einfach toll aus und schmeckt... ja nach was eigentlich?
Nennen wir es mal dezent. Die dominanteste Komponente meiner Misosuppe ist... Wasser.
Das nächste Mal also mehr Paste.

Sonntag, 1. März 2009

Trübe Aussichten

Einen Regentag in Tokyo erkennt man daran, dass bei einem Blick aus dem Fenster alles unter einem neblig grauen Schleier hängt. Erst auf den 2. Blick macht man vor dem trüben Hintergrund farblose Tropfen aus und packt einen Schirm ein bevor man aus dem Haus geht.
Diese Woche hat es fast ununterbrochen geregnet. Im Foyer des Siemens Towers liegen dann große Teppichbahnen auf dem schwarzen Steinboden und kurz hinter der Eingangstür steht eine Regenschirmspritzwasserauffangsvorrichtung bereit (sorry, ich hab keine Ahnung wie ich es sonst nennen soll).
Aus dem Büro im 20. Stock dann bilden Betonmeer und Himmel ein farblich stimmiges Bild.
Die letzten Tage waren außerdem bestimmt von einem kleinen Schnupfen und einer Reihe von Abschiedspartys. Der Siemens Zoo vermisst jetzt seine Kröte und im Karaoke müssen wir zukünftig ohne französische Verstärkung auskommen. Mit wem singe ich jetzt My Immortal?
Der Stimmung angemessen weint der Himmel mit. Aber selbstverständlich ist es nicht immer so trist.
Um das mal am Wetter und der damit verbundenen Aussicht aus dem Office zu verdeutlichen: An klaren Tagen sieht man bis zu den Bergen am Horizont, eigentlich sogar bis zum Fuji. Nur dadurch dass sie 3 Blocks weiter einen neuen 40-stoeckigen Wolkenkratzer hochziehen, fällt das Panorama seit Neuestem etwas spartanischer aus.
Aber es ist immer noch atemberaubend. Vor allem Nachts, wenn die Lichter aus Millionen von Fenstern die Shilouetten der Hochhäuser in die Dunkelheit zeichnen. Dann gibt die Skyline von Tokyo das her, was man sich von ihr erwartet. Nach einem langen Arbeitstag stehe ich immer wieder ganz fasziniert am Fenster und sehe mir die Stadt an.

Anbei für alle die es interessiert noch die Aktivitäten der vergangenen Wochen(enden):
Abschiedsparty mit Clubbing anschliessendem Sushi-Essen beim Tsukiji, Karaoke (mehrfach), Sushirollkurs (ich hasse es wenn Reis an meinen Fingern pappt), Besuch der Singapuris (Kill Bill Restaurant in Roppongi, Omotesando mit Harajuku und Meiji-Schrein Tour, Shinjuku Gyoen Park incl. erster Sakura Bilder), Chinesischer Neujahrsumzug im Chinatown von Yokohama.
Heute: Gammelsonntag :-)

Sonntag, 1. Februar 2009

Höhepunkte durch Tiefststände und Knutschflecken ohne Knutschen

Gestern war ich mit der Kiki in Ueno. Zum 2. Mal. Ursprünglich bin ich letzte Woche am Sonntag mal auf Empfehlung hingefahren um mir im Ueno Park ein bisschen die Beine zu vertreten. Und dann hab ich ganz nebenbei Ameyoko entdeckt. Ein Labyrinth von Seitenstrassen unter den Bahntrassen der Yamanote Line mit herrlich ramschigem Flair. Dort werden Fischfilets und Algenblätter feilgeboten, es gibt grünen Tee neben Straßenständen mit duftenden Eieromelettes. 2 Ecken weiter füllt ein Marktschreier für 1.000 Yen eine Plastiktüte randvoll mit Schokolade.
Inmitten dieses bunten Treibens entdecke ich sie und eine alte Leidenschaft flammt wieder in mir auf... Wühltische. Eigentlich ist "Wühltisch" schon eine sehr wohlwollende Formulierung. Sie nennen sich selbst "Outlets", in diesen engen und sehr schmucklosen Geschäften stehen simpel Kartons auf dem Boden. Darin türmen sich Klamotten jeglicher Farbe, Form, Größe und Marke. Wohlfühlfaktor beim Kauferlebnis = 0, aber den Preisen nach zu urteilen ist hier alles von ganz ganz weit oben aus dem Laster gefallen.
Auf meine Frage ob auch Kreditkarten akzeptiert werden, bricht der Verkäufer nur in Gelächter aus und meine schon chronisch viskose Finanzlage zwingt mich, mich vorerst mit einer blauen adidas Jacke und einer Trainingshose zu begnügen.
Aber ich komme wieder. Diesen Samstag habe ich Kiki im Schlepptau. Ihr habe ich nämlich erzählt was ich für meine Jacke bezahlt habe. (600 Yen... noch jetzt läuft mir beim Gedanken daran ein wohliger Schauer über den Rücken) Und da wir beide frisch angemeldete Fitnessclubberinnen sind, ist das der ideale Zeitpunkt sich mit adäquater Trainingsgarderobe einzudecken. Seite an Seite stehen wir an den Kartons, Schwestern im Geiste, ziehen Hose für Hose aus dem Textilberg vor uns, zwängen uns zu zweit in eine winzige Umkleidekabine und erliegen einem wahren Kaufrausch.
Ausbeute: 6 Sporthosen (5x adidas 1x Reebok) 2 Trainingsjacken (1x adidas, 1x Reebok) 1 Paar Turnschuhe (...adidas) und 2 Taschen (auch adidas) - das war jetzt nur mein Anteil, versteht sich von selbst, ne? Als wir vor lauter Streifen nur noch Sternchen sehen, machen wir uns endorphinbeflügelt auf den Nachhauseweg.
Im meiner Wohnung stelle ich fest, dass der Shopping Marathon seine Spuren an mir hinterlassen hat. An jedem Handgelenk habe ich einen kleinen knutschfleckartigen Bluterguss. Zeugen der schweren Tragetaschen, die sich auf dem beschwerlichen Weg den Gotanda Hill hinauf tief in mein Fleisch geschnitten haben.
Zumindest kann ich mich jetzt stilvoll und optimal klimatisiert an den Stepper im Tippness stellen...

Donnerstag, 8. Januar 2009

Würgereflex die Zweite: Are you f*ckin' Nattō??!!

"Wenn man kein Nattō gegessen hat, dann war man nicht in Japan." sagt der Hieu, der Scherzkeks und schiebt mir im Sushilokal bedächtig ein Tellerchen hin.
Allein die Optik erinnert an in Seetang eingeschlagenes Erbrochenes. Auch den Geruch muss ich schon wieder verdrängt haben. Aber der Geschmack! Vielmehr die Kombination aus einem nur sehr schwer in Worte zu fassenden Geschmack und der schleimigen Konsistenz machen diesen Bohnenbrei zu dem - by far - ekelerregendsten Essen was mir je zwischen die Kiefer gekommen ist. Ja und da hält sich dieses Zeug hartnäckig. Bei jedem Schluckansatz setzt der Würgereflex ein. Bestimmt eine halbe Minute lang versuch ich es immer wieder. Keine Chance.
Als wäre der Tag nicht schon zum Kotzen genug gewesen.
Vielleicht hilft die bewährte Spültechnik. Schnell! Bier! Wo ist das Bier?! Ach stimmt, auf Hieus Schuhen. Es gab nämlich nicht nur Sushi in dieser Lokalität, es gab auch einen vollautomatischen Biereinschenkautomaten. Klasse Teil, einfach Geld reinschmeißen, und das Glas wird bis zum Eichstrich vollgefüllt und mit einer Schaumkrone versehen. Und der Hieu war natürlich mordsstolz, dass er uns so ein Wunderwerk der Technik life vorführen konnte. So ganz vollautomatisch gings dann aber doch nicht. Da stehen wir zu viert vor diesem Bierautomaten, schmeißen erwartungsvoll unsere 500 Yen Münzen ein und denken... Irgendwas fehlt doch jetzt... Und der Bierstrahl ergießt sich schon in hohem Bogen auf Schuhe, Teppich und einfach allem im Umkreis von 2 Metern als wir perplex feststellen: eigentlich hätte da jetzt noch ein Glas aus dem Automaten rausplumpsen müssen.... Diese Aktion hat zweifelsohne meinen Tag gerettet!
Zurück zum Nattō. Zu meiner Schande muss ich leider gestehen, dass ich vor der japanischen Geheimwaffe absolut kapituliert habe. Nix zu machen. Das Zeug ging nicht runter. So streckte mir Martina irgendwann mitleidig ein Tempo hin und ich habs wieder ausgespuckt.
Wer mich jetzt für verweichlicht hält, der möge sich den entsprechenden Wikipediaeintrag zu Gemüte führen. Unterfüttert mit sehr anschaulichem Bildmaterial...
Prost Mahlzeit. Machts mal gut. Ich hau mich aufs Ohr.

Dienstag, 6. Januar 2009

Asi(a)milation in process...

Heut hab ichs getan. Vor 2 Tagen habe ich mich noch lustig gemacht über die Japanerinnen die in Ihren Hotpants und Riemchensandaletten mitten im Winter barbeinig der Kälte trotzen, und heute steige ich ganz mutig selbst ohne Söckchen in meine neuen weißen High Heels... Schließlich harmonieren die perfekt mit meinem Oberteil, und sehen mit Strümpfen etwas dämlich aus.
Okay.. war schon etwas frisch um die Zehen... und morgen muss mich Masatoshi bestimmt wieder mit Kampo vor schlimmeren Folgen bewahren. Aber hübsch wars...
Kalte Füße von Japan? Keine Spur. Das Land wird täglich besser.
Aber der Reihe nach... es gibt viel zu erzählen. In den letzten 2 Wochen ist so einiges passiert.

20.12. Asakusa
Hierzu sehe man sich am Besten die Bilder an. Asakusa ist ein Stadtteil von Tokyo der sich sehr gut zum Souvenirkaufen eignet. Es gibt einen Tempel, jede Menge Mochi Fressstände, allerhand sonstigen Krimskrams und einen überdimensionierten roten Lampion.

23.12. Kaiserpalast
Tja.. ähm.. das ist widerum eine längere Geschichte... Alle Jahre wieder hat der japanische Kaiser Geburtstag. Dieser Geburtstag des amtierenden Kaisers ist dann immer ein Staatsfeiertag (derzeit der 23. Dezember) und an diesem einen Tag im Jahr ist auch der Kaiserpalast (oder besser das Areal um den Kaiserpalast) für Besucher geöffnet. Da wollte ich natürlich hin.
Was ich dann auch gleich nach dem Aufstehen gemacht habe. Blöd nur dass der Abend vorher etwas länger gedauert hat, und ich somit meine zarten Äuglein erst nachmittags wieder an das Tageslicht gewöhnen konnte... Und hab ich mich gefreut, als kurz vor 15 Uhr in Windeseile die beiden Kontrollschleusen durchpasst habe (einmal Taschen filzen, einmal Abtasten). Fast keine Japaner mehr da. Und morgens um 9 sind die bestimmt alle ewig Schlange gestanden. Vom linken bis zum rechten Ohr grinste die Schadenfreude aus mir heraus. Einen Nachteil hat es aber doch, nicht inmitten einer Horde kleiner gelber Menschen das kaiserliche Gartenareal zu betreten: Verlust der Schwarmintelligenz. Und das bei meinem Orientierungssinn. Wo war nochmal der Palast? Der kaiserliche Garten ist groß! Und weitläufig.
Nach 2 Stunden habe ich jeden Bonsai und Bambus intensiv begutachtet, aber immer noch keinen Palast entdeckt. Der hatte auch nur von 9 bis 11 seine Pforten geöffnet... Das habe ich aber erst etwas später erfahren...

24.12. Weihnachten
Wie feiert man Weihnachten in Japan? Feiern das die Asiaten überhaupt? Und glauben die an das Christkind? Fragen über Fragen. Hier die Antwort. Die Weihnachtsdeko und -musikbeschallung sucht zuhause im Westen seinesgleichen. Ich habe noch nie so überladene und schrille Christbäume gesehen und tatsächlich trällert in jedem(!) Geschäft einschlägiges Liedgut a la "Last Christmas".
Weihnachten hat hier aber keinen religiösen Hintergrund vielmehr ist es ein importiertes Fest wie bei uns beispielsweise der Valentinstag oder Halloween. Von Bedeutung ist Weihnachten hierzulande vor allem für Pärchen. Man geht schick essen und schenkt sich was Nettes.
Familie besuchen ist dagegen nicht, und Feiertage sind das selbstverständlich auch nicht. Aber da ich für ein bodenständiges deutsches Unternehmen arbeite gabs am 26. ein zünftiges Weißwurstfrühstück im Office.

26.12. - 28.12. Kyoto Wochenende
Direkt am Freitag abend gehts dann mit den Ocean's 5* ab in den Nachtbus nach Kyoto. Sightseeingwochenende. Die Billigheimervariante. Der Unterschied zwischen Bus und Bahn beträgt ca. 15.000 Yen - und 5 Stunden Fahrtzeit.
In 2 Tagen haben wir dann ziemlich viele Tempel, den goldenen Pavillion und natürlich auch das Kyotoer Nachtleben etwas genauer unter die Lupe genommen. Eine sehr schöne Stadt. Ruhiger als Tokyo. Traditioneller.

30.12. Yokohama
Um 6 Uhr 30 steht Marina bestellt und nicht abgeholt an der Shinjuku Station. Wir (Ocean's 5 und ich) wollen spontan zum Mount Fuji, erfahren aber dass es keine Plätze mehr im Bus gibt. Also wird aus dem spontanen Fuji Trip ein spontaner Yokohama Trip.
Yokohama ist nach Tokyo die zweitgrößte Stadt Japans. Und glücklicherweise ein Vorort von Tokyo. Nach einer Bootstour haben wir dann 1.000 Yen für die Aufzugfahrt in den 63. Stock des Landmark Towers bezahlt.
Was sind schon 1.000 Yen...?

31.12 Silvester am Fujiyama
Jetzt aber... Hat es doch noch geklappt. Und tatsächlich hat die Sonne gelacht, nur Schwalben hab ich jetzt keine gesehen. Aber da war ich vielleicht auch zu weit weg, denn wir waren auch nicht auf dem Berg selbst - der ist in den Wintermonaten sozusagen geschlossen, sondern in Kawaguchiko von wo aus man vielmehr eine wunderschöne Sicht auf diese vollendetste Kegelform der Welt hat. Circa 300 Bilder später tuckern wir auch schon wieder nach Hause. Schließlich müssen Martina und ich noch nach passenden Outfits für einen stilvollen Jahreswechsel shoppen.
Womit wir zur zweithäufigsten Frage kommen: Naja... es ist nicht so wie bei uns. Die Böller fehlen halt... Neujahr ist in Japan so ziemlich das wichtigste Familienfest (so wie bei uns Weihnachten). Man geht zum Schrein und begrüßt zusammen den ersten Sonnenaufgang im neuen Jahr. So zumindest wurde es mir geschildert. Klingt nach toter Hose, irgendwie. Ich habe dagegen weit weniger traditionell meine sehr lebendige neue Hose (mit Dalmatinermuster - Shibuya sei gepriesen) aufgetragen und war mit den üblichen Verdächtigen in Roppongi auf der Piste.

So. Nachdem ich die komplette erste Neujahrswoche in Shibuya verbracht habe (es ist Winterschlussverkauf!) bin ich seit Montag wieder arbeiten, was die beengenden Verhältnisse
a) auf meinem Konto
b) in meinem Schuhregal
etwas entspannt. Die Prognosen fürs Wochenende stehen gut: 70%.
Nein meine Herren, das ist nicht die Niederschlagswahrscheinlichkeit. :-)

*Ocean's 5: Fast hätt ichs vergessen. Das ist die Truppe mit der ich die letzten 2 Wochen hier verbracht habe. Sehr lehrreiche 14 Tage. Ich weiß jetzt, dass Korea sehr gefährliche Bomben hat, dass einzig Lu die dogs rauslässt und dass man Miss Independent einfach lieben muss weil sie "her own thing" hat. Danke Jungs. War ne wirklich coole Zeit mit euch!

Mittwoch, 24. Dezember 2008

Ja is denn heut scho.....

Ja. Isses. Wird aber auch höchste Zeit. Seit fast einer Woche steht es sonnengelb und quaderförmig in meiner Wohnung und wartet begierig darauf ausgepackt zu werden. Das letzte seiner Art, wie mein Papa mir prophezeit. Als ich es in meine Wohnung trage, ahne ich auch warum. 4kg. Von den Portokosten könnte man mit Ryanair locker nach Italien und wieder zurück fliegen.
15.187,5 cm³ geballtes Deutschland in meinen japanischen 4 Wänden. Bei so viel Heimat werde ich ganz sentimental. Und heute ist es endlich soweit. Gleich als erstes nach der Arbeit mache ich mich mit einer Schere bewaffnet an meinem fröhlich leuchtenden DHL Paket zu schaffen...
Ein Kappel-Survival-Pack!! Weltklasse!
Das erste was mir in die Hände fällt ist eine Keksdose. Florentiner! Die guten von Oma Gerdi!! Und Hutzelbrot! Quittengelee von Mama und neben Schokolade und Dorfblatt nicht zuletzt eine gute Flasche "Alte Rebe"! :-)
Danke!!
Mann wie ich Rotwein schon vermisst habe. Sake (oder noch schlimmer Shōchū ) schmecken erst nach ein paar großen Gläsern Bier. Und sobald man die Plörre unverdünnt runterbekommt sollte man auch schleunigst mit dem Saufen aufhören... Apropos...
Mein weiterer Tagesverlauf wird wohl eher weniger besinnlich ablaufen. Bin noch zum Essen mit Hieu und seinen deutschen Kumpels verabredet.
Aber ich denke ganz fest an euch!! Frohe Weihnachten!! Habt ne schöne Zeit!!

Nase putzen - aber bitte mit Flushing Sound

Nach gut 3 Wochen meines hiesigen Daseins ist es Zeit für einen kleinen Exkurs in die japanische Kultur, genauergesagt: Die Beziehung der Japaner zu Geräuschen.
Wie jeder frisch eingereiste Alien erkundige auch ich mich nach meiner Ankunft sofort nach den wichtigsten Do's und Don'ts und bekomme den folgenden wichtigen Tip:
"Putze Dir NIEMALS in der Öffentlichkeit die Nase!" Das mögen die nicht. Die hassen das! Warum das so ist? Ein japanischer Kollege klärt mich auf. "In japanese culture, we are ashamed to make sound." Mag heißen, es gilt als unhöflich, den Gegenüber mit seinem lauten Trompeten zu belästigen. Und tatsächlich, nachdem ich genauer darauf achte fällt mir auf, daß man so gut wie niemanden antrifft, der sich in der Gegenwart anderer laut trötend die Nebenhöhlen entleert.
Das geschieht vielmehr fernab der unfreiwilligen Audienz, z.B. auf einer Toilette. Was aber, wenns aus dem Kolben tropft und keine rettende Kabine in der Nähe ist? Dann wird ausgeharrt.
Der moderne Japaner schnäuzt nicht, er schnürfelt. Schnürfeln ist ausdrücklich erlaubt.
Das die kumulierte Geräuschbelastung eines permanent schnürfelnden Japaners, verglichen mit der eines einmalig schnäuzenden Europäers nur unwesentlich geringer sein dürfte, das sei mal dahingestellt.
Na wie gut daß ich krank bin. Das ist ein Spaß. Es trieft und tröpfelt an einem Stück.
Auf ins Klo also, schön Nase putzen.
Auf der Office-Toilette begegne ich außer den beiden mir bestens vertrauten Tasten für "Bidet" und "Spray" einer weiteren Zusatzfunktion, gekennzeichnet duch eine kleine unschuldige Musiknote: dem Flushing Sound.
Eine japanische Frau hat nämlich eine ebenfalls sehr disharmonische Beziehung zu einem weiteren schambehafteten Sound. Dem sanften Plätschern eines Urinstrahls beim Zusammenprall mit einer Keramikschüssel. Geht garnicht.
Um dieses unliebsame Geräusch zu übermalen war es in der Vergangenheit von Millionen von Japanerinnen Usus, sowohl vor während und nach des Geräuschbildungsprozesses die Spülung zu betätigen. Schließlich will man bei dieser intimen Angelegenheit nicht belauscht werden.
Nun kann man sich den schwindelerregenen Wasserverbrauch vorstellen, den die blasenschwache Weiblichkeit ehemals bei jedem Klogang unnötig (...fast unnötig) im wahrsten Sinne des Wortes den Abfluss runtergespült hat.
Und eben deshalb gibt es auf jedem Superklo eine Taste für die täuschend echte Audiosimulation einer Klospülung.
Und so wird gemäß dem alten Motto rauf - rein - runter - raus erst hochgezogen (der Schleim), dann zurückgezogen (in die Toilette), daraufhin abgezogen (die Spülung... sowie im direkten Anschluss die diversen Körperflüssigkeiten und -sekrete), und schließlich wieder losgezogen (erleichtert in die Welt).

Ja, so macht man das hier. Klingt komisch - is aber so. Jetzt kommt noch eine Maus, diesmal ohne den kleinen Elefanten (der ist aufm Klo - tröten) und ich hoffe Ihr schaltet auch das nächste Mal wieder ein, wenn es heißt: Lach und Sachgeschichten.
壁に耳あり、障子に目あ り。Kabe ni mimi ari shōji ni me ari
Das war japanisch.

Mittwoch, 17. Dezember 2008

So sick!

Ich bin krank. Seit gestern habe ich Halsschmerzen, einen Brummschaedel und fühle mich auch sonst ziemlich schlapp...
Aber meine Kollegen kümmern sich hier rührend um mich.
So lagen nach der gestrigen Mittagspause 3 Pulverpäckchen auf meinem Tisch.Das ist Medizin, meint mein japanischer Kollege, und ich solle am Besten gleich eins nehmen.
Später entdecke ich auf seinem Schreibtisch ebenfalls ein aufgerissenes und bereits konsumiertes Exemplar. Aha. Er will sich also nicht bei mir anstecken.
Mein Handeln ist zutiefst unverantwortungsbewusst. Vielleicht sollte ich mir eine dieser Michael Jackson Masken zulegen, mit denen Japaner ihre Mitmenschen vor den eigenen Krankheitserregern schützen...?
Das Büro verlasse ich dann eine Stunde früher als gewohnt um daraufhin die folgenden 13 Stunden dick in mein Bettchen eingemummelt vor mich hinzuschwitzen und gelegentlich giftgelbes Vitamin C Wasser mit Zitronengeschmack zu trinken.
Heute morgen dann sieht die Welt nicht wirklich viel besser aus. Und zu allem Übel regnet es auch noch. Also kurz in den Kombini um die Ecke – Regenschirm kaufen. Diese coolen Regenschirme aus durchsichtigem Plastik. So einen wollte ich schon immer...
Im Office werde ich heute nicht mit dem üblichen „Ohayo gozaimasu!“ begrüßt, das erste was ich zu hören bekomme ist „Did you take your medicine?“
Da ich keinem meiner Kollegen auch noch in der Mittagspause die erhöhte bakterielle Belastung antun will gehe ich heute zum nunmehr 2. Mal ganz alleine Essen.
Irgendwann bleibe ich vor einem sehr japanisch aussehenden kleinen Eckrestaurant stehen. Garantiert keine Speisekarte mit Bildchen - das ist mir klar. Aber no risk no fun, denke ich und irgendwie werde ich das schon hinkriegen mit dem Bestellen.
Außerdem hab ich mal wieder Lust auf Sushi. Also Schiebetür auf, unter den Vorhängen durchgeduckt, Schiebetür wieder zu... und nix ist mit Sushi. Ich bin im Tempura Restaurant gelandet. Allerdings hab ich mit dem ur-japanischen recht behalten. Mit der Dame des Hauses verständige ich mich mit Händen und Füßen, bringe sie schließlich dazu, mit Essstäbchen auf die an der Wand befindliche Speisekarte zu zeigen (Sowohl Gerichte als auch Preise auf japanisch) und sage beim erstbesten Täfelchen „Hai“. Danach weiß ich weder, was ich bestellt habe (gemischtes Tempura, v.a. Garnelen) noch wieviel mich der Spaß kosten wird (1.500 Yen). Sehr wohl weiß ich allerdings, dass ich meine Kollegen nach der Mittagspause nicht nur mit meinen Viren, sondern auch mit einem durchdringenden Frittierfettgeruch belästigen werde.
Als ich mich wieder unter dem Vorhang durchducken will stelle ich fest, dass mein Schirm seine Transparenz eingebüßt hat, dafür aber auch größer geworden ist.
Mittlerweile ist es 20 Uhr ich bin da wo jeder anständige japanische Angestellte um diese Uhrzeit ist – im Office. Aber nicht mehr lange. Ich packe noch eben mein Pulver und meinen Vitamindrink ein und auf gehts nach Hause. Von dort hör ichs schon ganz laut rufen....

Dienstag, 9. Dezember 2008

Tempel, Tower & traumatische Zugfahrten...

Ja, das Wochenende.... habe ich erstmal ganz ruhig angehen lassen. Zunächst hab ich komplett verschlafen.
Am mehr oder weniger frühen Nachmittag breche ich dann auf zu meiner ersten alleinigen Metro-Fahrt zur Haltestelle Daimon, ganze 3 Stationen weiter.
Mächtig stolz auf mich mache ich mich auf in Richtung Zōjō-ji Tempel und kaufe mir dort von meinem ganzen Kleingeld ein kleines Bündel Räucherstäbchen, das ich - zuvor entflammt - vor dem Tempel in eine mit Sand gefüllte Schale stecke.
Zu meiner Schande muss ich gestehen, dass ich mir das Ritual vorher bei den Japanern abgekuckt habe und nicht die geringste Ahnung habe, was es mit den glimmenden Stengeln auf sich hat. Aber schaden kann es ja nichts, denke ich, fächere mir gekonnt etwas Rauch zu und erhoffe mir dadurch den Segen Buddhas, ein langes Leben für meine Liebsten und einen Lottogewinn für mich selbst (ich sag nur 4 Paar Schuhe in einer Woche...).

Kurze Zeit später mache ich mich auf zum Tokyo Tower. Dieser ist dem Eiffelturm nachempfunden, und wer mich in Paris erlebt hat kann sich vielleicht vage vorstellen wie viele Bilder ich von diesem Tower gemacht habe. In Sachen Romantikfaktor bleibt die asiatische Kopie aber weit abgeschlagen hinter dem europäischen Original zurück.

Auf dem Rückweg setze ich mich wieder in die Metro. Das ist ja einfach. Und diese Aussicht... Moment. Aussicht?!
Im Nachhinein war es natürlich ein absoluter Segen dass diese Bahn auf einmal oberirdisch fuhr. Sonst hätte ich wahrscheinlich nicht schon bei der Shinagawa Station gemerkt, dass ich im komplett falschen Zug sitze.
Aber was mir die Gene an Orientierungssinn versagt haben (...Simon, wo wohnt denn mein Zahnarzt...?) das mache ich mit meinem Improvisationstalent locker wieder wett, und so hab ichs ganz ohne Telefonjoker und trotz kryptisch japanischer Bahnsteiganzeigen doch wieder wohlbehalten nach Hause geschafft...

Am Sonntag gings dann nach Harajuku (Ausbeute: 3 Paar Schuhe und ein Flauschpulli mit Bunny-Ohren) und anschließend in den Yoyogi Park. Aber trotz herrlich sonnigem Herbstwetter gab es nur ganz wenige Freaks zu bestaunen... Mal sehen wohin mich das nächste Wochenende verschlägt...?

Samstag, 6. Dezember 2008

Würgereflex im Red Light District

....nein, nicht was Ihr jetzt denkt.

Was ich mir Freitag abend oral eingeführt habe mag auf den ersten Anschein zwar harmloser wirken, als eure spontane Assoziation... Aber roher Krebs ist kein Spaß. Genaugenommen ist roher Krebs echt widerwärtig. Ich nehm also dieses Krebsbeinchen in die Hand und will es meinen (im Übrigen deutschen...) Gegenübern nachtun...

Wir sind auf der Abschiedsparty von Katja beim Festessen in einem original japanischen Restaurant in Geschäftsviertel Gotanda. Ein Kollege verrät mir, dass hier zu späterer Stunde außerdem das... ähm Servicegeschäft floriert. Offen sehen kann man das allerdings nicht.

Zurück zu meiner kulinarischen Katastophe. Ich beiße also einmal rein, in dieses Krebsbeinchen, stelle aber schnell fest, dass nichts ist mit abbeißen. somit habe ich wenig später das ganze Gliedmaß mit einem Haps im Mund. Jetzt schön kauen... Das Essen wird dadurch nicht etwa zerkleinert - keine Chance - wohl aber entfaltet sich ein sehr eigener, ein sehr penetranter Geschmack in meinem Mund. Als nach 2-3 weiteren Kauversuchen dann noch eine wabbelige Masse aus dem Beincheninneren nach außen dringt, ist endgültig der kritische Punkt erreicht. Obwohl noch nichtmal im Mageninneren angekommen, versucht mein Körper verzweifelt, sich der widerspenstigen Nahrung zu entledigen.
Zum Glück steht vor mir ein volles Glas mit frischem wohlschmeckenden Bier.
Und so schafft es das Beinchen dann doch noch (am Stück) in meinen Verdauungsapparat.
Mein Gegenüber grinst nur. "Willkommen in Japan. Das war noch harmlos."
Später erfahre ich dann, dass man den Krebs genausogut in den auf dem Tisch stehenden Kochtopf mit blubbernder Fleischbrühe hätte tunken können... Tja, hätte ich es mal den Japanern nachgemacht. Gekocht war das angblich total lecker.
Es sei allerdings erwähnt, dass der Rest des Essens an diesem Abend durchaus genießbar war. Es war sogar sehr lecker. Besonders angefreundet habe ich micht mit Mandelpudding. Auch mit Sake habe ich meine ersten Erfahrungen gemacht, und so ging es kurz danach stark motiviert in die schräg gegenüber gelegene Karaoke Bar.
Auch das ist eine sehr lohnende Erfahrung, aber ich als alt erprobter Singstar-Veteran der selbst vor Alicia Keys nicht halt macht (gell, Karo..?) war hier natürlich voll in meinem Element! So haben wir denn zu fünft unser Zimmerchen zu den sanften Klängen von Slayer gerockt.
Nach mehrmaligem Verlängern mussten wir schließlich fast zwangsweise unser Zimmer verlassen. Schließlich stand unten schon eine ganze lange Warteschlange voller singbegieriger Japaner...
Ein schöner Einstieg ins Wochenende...

Donnerstag, 4. Dezember 2008

Frischfisch und Fingerspitzengefühl in Roppongi

Allmählich setzt die Müdigkeit ein. Es ist viertel vor 3 Uhr nachts. Im Gegensatz zur gleichen Zeit heute nachmittag war ich bis vor einer halben Stunde noch topfit. Jetlag...
Um 6:30 Uhr dieses meines ersten Arbeitstages weckte mich strahlender Sonnenschein... Zack - war sie da, die Helligkeit, um kurz vor 5 genauso abrupt wieder zu verschwinden.
In der Zeit dazwischen wurde ich im Siemens Building vielen meiner neuen Kollegen vorgestellt, von denen ich mir allerdings leider nur sehr wenige Namen merken konnte...
Mein erster Feierabend indes führte mich mit Katja nach Roppongi wo ich auch endlich meine ersten Erfahrungen mit original japanischem Sushi machen konnte.
Während sich die kleinen Tellerchen vom Fließband zu immer größeren Türmchen stapelten, funkelten draußen auf den Roppongi Hills in gewohnt dezenter tokyoter Manier rot-goldene, in Geschenkpapier gewickelte Laubbäume. Buddhistisch-shintoistische Religionszugehörigkeit hindert die Japaner nämlich keinesfalls daran, sich intensiv auf Weihnachten zu freuen. Ich freue mich mit. :-)
Zum Abschluß des Abends gab es dann noch eine sehr entspannende fernöstliche Ganzkörpermassage. Diese Entspannung macht sich jetzt bemerkbar. Höchste Zeit fürs Bettchen.
Oya sumi nasai!

Dienstag, 2. Dezember 2008

Shibuya! Zukünftiges Zuhause eines Großteils meines Einkommens

Wie stellt man sich Tokyo vor, wenn man noch nie in Tokyo war? Man denkt an Shibuya. Wie stellt man sich Shibuya vor? Pink. Sehr pink, mit einem guten Verhältnis neon-türkis und ein paar Klecksern gelb. Und in Realtät ist es noch sehr viel pinker, türkiser und gelber. Shibuya ist die Definition von Reizüberflutung. Blinkende Reklame, überzeichnete Manga-Mädels, kleine Pokemon-Armeen bei fröhlich lautem Geträller der Mega-Monitore. Eintauchen in ein Meer zu kurz geratener Schuluniformen und High Heels. Das Klischee hält, was es verspricht. Habe ich die quietschbunten Klamotten- und Schuhläden bereits erwähnt?
Ungeachtet meiner (immer noch vorhandenen) Großzehfraktur habe ich dem Konsum mit einem Paar mörderisch hohen orange-roten Lackstilettos mit goldenem Pfennigabsatz gefrönt. Daneben gabs einen neuen Gürtel aus grünem Plüsch. Geschmacklos? Nein. Hier gibt es keine Modetabus. Mein Kleidunggstil sieht einer kreativen Blütezeit entgegen. Und das schönste ist, dass man selbst im gewagtesten Outfit in keinster Weise auffällt*.
Ein großer Dank gilt auch Katja, die mir neben dem Fensterplatz im Starbucks auch ihr streng geheimes Shabu-Shabu Restaurant gezeigt hat. Ganz zu schweigen von den vielen Insider Tips die ich hoffentlich alle verarbeiten kann in meinem reizgesättigten Hirn... :-)
Doomo arrigato gozaimasu!

*Das gilt selbstverständlich nicht fürs Office!

Home, sweet home...

Ein liebevoll gefaltetes Origami Vögelchen empfängt mich, nebst einer Grußkarte in meinem neuen kleinen Reich: "Welcome Home" steht darauf.
Zuhause?
Von meinem Balkon (!) im 10. Stock aus blickt man auf eine imposante Skyline, für meinem ersten Klogang habe ich satte 10 Minuten gebraucht um die optimale Sitzposition für die integrierte Bidetfunktion auszutesten, und auf 20m² Wohnfläche tummeln sich ganze 6 Fernbedienungen für die Hichtechlandschaft in meinem Wandschrank.
Wie zuhause fühlt sich das hier noch nicht an. Eher wie Urlaub. Oder wie ein Märchen. Sehr surreal zumindest.
Hab ichs also geschafft. Nachdem ich mich in Frankfurt nach einer kleineren Panikattacke (und zuviel Zeit) noch mit der notwendigen Reiselektüre eingedeckt habe (2 Langenscheidts, 2 Kulturratgeber) gings auf dem langersehnten Flug ins Land der aufgehenden Sonne.
Nach dem erfolgreich erworbenen Busticket stellt meine erste Hürde der freundliche japanische Taxifahrer dar. Stolz drücke ich ihm die ausgedruckte japanische Wegbeschreibung in die Hand. "Doozo." Dann das Unerwartete. Er fängt er an zu reden. Zeigt mir einen Ort auf der Karte (den ich selbstverständlich nicht lesen kann, denn in den letzten 3 Wochen haben sich selbst meine rudimentären Katakana-Kenntnisse verflüchtigt) frägt mich etwas und wartet auf meine Antwort. Als ich ihn nur leicht perplex anstarre ergießt sich Wortschwall Nummer 2 über mich. Okay, ich brauche DRINGEND einen Japanisch-Kurs. Nach einer weiteren Schrecksekunde fange ich mich und sage souverän das Zauberwort "Hai!" und nicke dazu eifrig. "Hai, hai!" Der Taxifahrer ist glücklich. Er fährt los.
10 Minuten und 1.000 Yen später stellt er meinen Koffer vor oben genanntem Zuhause ab. Nicht ohne sich nochmal respektvoll zu verbeugen und sogar ich bekomme ein schüchternes "Arrigato Gozaimasu." gemurmelt. Soweit so gut.